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descriptionVollmond
Jeder zehnte Deutsche ist betroffen: Die Nachtruhe ist gestört, erholsamer Schlaf stellt sich nicht ein. Auslöser sind Atemaussetzer, Alkohol, Hormone oder die Gene.
descriptionMann schläft vor Laptop
Schlafstörungen machen nervös, gereizt und letztlich krank. Spezielle Diagnosetechniken, zum Beispiel im Schlaflabor, decken die Ursachen auf.
descriptionMann presst sich Kissen auf die Ohren
Schlafstörungen sind nicht gleich Schlafstörungen. Sie können psychische Ursachen haben, aber auch körperliche. Am gefährlichsten sind Atemaussetzer (Apnoe).
descriptionFrau liegt im Bett
Einschlafschwierigkeiten? Durchschlafprobleme? Dagegen gibt es Strategien und sanfte Maßnahmen gegen den Teufelskreis. Notfalls helfen Medikamente.
descriptionFrau im Bett mit Fernbedienung
Sex und Sport schenken besseren Schlaf, Fernsehen im Bett und Stress bewirken das Gegenteil. Alles über Schlafhygiene und Tipps gegen schlaflose Nächte.
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Von Albtraum bis Restless Legs

„Während der Nacht kehrt die Sorge zurück“, sagte Vergil. Dies erklärt, weshalb so viele Menschen gerade nachts ins Grübeln geraten und schlaflos sind. Fast jeder dritte Deutsche hat schon einmal unter vorübergehender Schlaflosigkeit gelitten – 7,5 Prozent der Erwachsenen sind dauerhaft davon betroffen.

Im Überblick



Die Häufigkeit der Ein- und Durchschlafstörungen, auch Insomnien genannt, steigt mit dem Alter: Während nur 2,5 Prozent der jungen Frauen unter 30 über Schlaflosigkeit klagen, sind es bei den 70- bis 79-Jährigen 13,2 Prozent. Männer sind seltener betroffen: Nur 0,7 Prozent der 20- bis 29-Jährigen und 5,2 Prozent der über 70-Jährigen leiden unter einer chronischen Insomnie.

Unter Schlaflosigkeit leidet, wer zum Beispiel regelmäßig
  • länger als eine halbe Stunde braucht, um einzuschlafen
  • nachts aufwacht und mehr als 20 Minuten braucht, um wieder einzuschlafen
  • frühmorgens gegen 5 Uhr aufwacht und nicht mehr weiterschlafen kann
  • weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft
  • sich tagsüber müde fühlt
  • sich am Tage nicht mehr konzentrieren kann
Nach vier Wochen Schlaflosigkeit den Arzt aufsuchen

Schlafmediziner raten zu einem Arztbesuch, wenn die Schlaflosigkeit chronisch wird, das heißt, wenn sie mindestens dreimal in der Woche auftritt und länger als vier Wochen anhält. Ohne Behandlung wird sich eine chronische Insomnie nur in den seltensten Fällen von allein wieder geben. Und viele Menschen mit Schlafstörungen warten viel zu lange auf eben solch eine Fügung.

Eine chronische Insomnieist für den Schlaflosen allein schwer in den Griff zu bekommen, weil ein Teufelskreis entsteht: Der Schlaf ist mit der Zeit nur noch mit Angst und Anspannung verbunden, was ein friedliches Schlummern erst recht unmöglich macht. Die Ärzte werden Ihnen zunächst zu einer kognitiven Verhaltenstherapie raten. Dazu zählen: Den Teufelskreis durchbrechen

Zwei große Studienauswertungen belegen, dass die Verhaltenstherapie häufig effektiv ist und ihre Wirkung lange anhält. Wenn die Verhaltenstherapie jedoch keinen Erfolg zeigt, ist eine medikamentöse Therapie notwendig, um den Teufelkreis zu durchbrechen. „Dem Insomniker wird mit ihrer Hilfe überhaupt erst wieder in Erinnerung gerufen, wie es eigentlich ist, mal eine Nacht ohne Unterbrechung zu schlafen“, sagt Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin. Allerdings dürfen Sie Schlaftabletten nie auf eigene Faust einnehmen. Wichtig ist, dass Sie in ständigem Kontakt zu Ihrem Hausarzt oder einer Schlafambulanz stehen und nur die dort verordneten Medikamente nehmen.
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Schlafapnoe: Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes mellitus

Die Schlafapnoe ist weitverbreitet: 24 Prozent aller Männer sind von nächtlichen Atemaussetzern betroffen – vor allem übergewichtige ab 40 Jahren – und neun Prozent aller Frauen. Dies hat eine Bevölkerungsstudie in den USA mit 600 Probanden ergeben, die im Schlaflabor untersucht wurden.

Der Atem setzt minutenlang aus

Ursache für die Schlafapnoe ist eine Muskelschwäche im Rachenraum: Die Zunge fällt nach hinten, die Rachenseitenwände kollabieren und das Gaumensegel erschlafft. So verengt sich der Atemweg, was als Schnarchgeräusch zu hören ist. Gefährlich wird das Schnarchen, wenn sich der Atemweg komplett verschließt, dann setzt die Atmung zehn bis 60 Sekunden aus, manchmal auch zwei Minuten. Ab fünf Atemaussetzer pro Stunde sprechen Schlafmediziner von einer Schlafapnoe.

Extreme Belastung fürs Herz

Während der Apnoe steigt der Kohlendioxidgehalt im Körper. Davon wacht der Schlafende auf, oft nur ganz kurz und unbemerkt. Doch diese Kurzwachphasen oder Arousals belasten das Herz extrem: Während der Apnoe sinken Puls und Blutdruck – danach, während des tiefen Durchatmens, steigen sie abrupt.

„Schon mehr als 20 Unterbrechungen pro Stunde sind ein großes Risiko für das Herz-Kreislauf-System und reduzieren die Lebenserwartung um etwa acht bis zehn Jahre“, schreibt Dr. Ingo Fietze in seinem Buch „Der Schlafquotient“. Fast alle Patienten mit Schlafapnoe entwickeln im Laufe der Zeit Bluthochdruck. Sie haben ein hohes Risiko für Herzrhythmusstörungen, einen nächtlichen Schlaganfall oder Herzinfarkt und auch für Diabetes.

Eine Nasenmaske bringt schnelle Linderung

Eine wirkungsvolle Hilfe gegen die Atemaussetzer bietet eine nächtliche Überdruckbeatmung mit einer Nasenmaske, die die Atemwege frei hält. Die Nasenmaske wird auch CPAP-Gerät genannt. CPAP steht für continuous positive airway pressure, was so viel heißt wie: kontinuierlicher Atemwegsdruck. Den Gebrauch des CPAP-Geräts lernen Sie im Schlaflabor.
Außerdem empfehlen sich bei einer milden Schlafapnoe und ebenso bei Schnarchen:
  • Gewichtsreduktion
  • Alkoholverzicht
  • Vermeiden der Rückenlage
  • Kinnbinde (in der Apotheke erhältlich)
  • Nasenflügelspreizer (in der Apotheke erhältlich)
  • Protrusionsschiene (Aufbissschiene), die der Zahnarzt anpassen kann
Extreme Tagesmüdigkeit ist typisch

Wenn Sie oft schnarchen, morgens unter Kopfschmerzen leiden, obwohl Sie ausreichend lange im Bett waren, oder tagsüber oft extrem müde sind, empfiehlt sich dringend ein Arztbesuch beziehungsweise eine Untersuchung im Schlaflabor: Es könnte sein, dass Sie unter einer Schlafapnoe leiden.
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Wenn die Beine keine Ruhe geben

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) – auf Deutsch: das Syndrom der ruhelosen Beine – kommt häufiger vor, als sein exotischer Name vermuten lässt: fünf bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung sind von dieser neurologischen Krankheit betroffen, 80 Prozent davon auch während des Schlafens. Besonders oft leiden unter dem RLS Frauen, die mehrere Kinder geboren haben, sowie ältere Menschen. Das RLS kann auch Begleitsymptom einer Schwangerschaft, einer Anämie oder einer Niereninsuffizienz sein.

Die Missempfindungen treten besonders vor dem Einschlafen, gegen Mitternacht und morgens um 4 Uhr auf. Oft werden die Betroffenen durch Kribbeln, Ziehen, Spannen oder sogar Schmerzen in den Beinen geweckt und können diese quälenden Missempfindungen nur durch Umherlaufen bezwingen. Aber auch zwischendurch sind die Missempfindungen unbewusst spürbar. Dies veranlasst den Schlafenden zu Beinbewegungen. Er wacht nicht wirklich auf, trotzdem wird auch in diesem Fall der Schlaf gestört. Die Folge ist häufig starke Tagesmüdigkeit.

Therapie mit Parkinson-Medikamenten

Ist eine Eisenmangelanämie Ursache für das RLS, kann eine Eisenersatztherapie helfen. In anderen Fällen bietet sich eine Langzeittherapie mit Parkinson-Medikamenten an, vor allem die Dopamin-Agonisten zeigen eine gute Wirkung. Helfen dem Patienten diese Medikamente nicht und wird er von schweren Durchschlafstörungen geplagt, kann eine Therapie mit Opioiden, Antiepileptika oder Tranquilizern (Beruhigungsmittel) wie Benzodiazepinen sinnvoll sein.

Allerdings benötigen nur zirka 25 Prozent der Patienten mit RLS eine Therapie, heißt es beim Robert Koch-Institut. Eine medikamentöse Therapie ist oft nur bei extremer Tagesmüdigkeit gerechtfertigt, denn auch Dopamin-Agonisten haben relativ viele Nebenwirkungen – etwa Psychosen und Übelkeit.

Das RLS tritt oftmals zusammen mit der Schlafapnoe auf. In diesem Fall behebt die Therapie mit einer Überdruckmaske nicht nur die Schlafapnoe, sondern lindert meistens auch das RLS.
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Hypersomnie und Narkolepsie: gefährliche Schlafattacken

Bei Schlafstörungen denkt jeder sofort an durchwachte Nächte. Doch auch das Gegenteil ist möglich: Auch wenn jemand nachts reichlich schläft und trotzdem tagsüber müde ist und von Einschlafattacken gequält wird, sprechen Schlafmediziner von einer Schlafstörung. Sie bezeichnen dieses extrem große Schlafbedürfnis als Hypersomnie. Ursache für eine Hypersomnie ist häufig, dass sich der Betroffene während des Nachtschlafs nicht ausreichend erholt, weil er durch eine Schlafapnoe oder ein Restless-Legs-Syndrom gestört wird.

Die Ursache liegt in den Genen

In seltenen Fällen verbergen sich hinter der Hypersomnie auch Schlafanfälle (Narkolepsie). Das Wach-Zentrum im Gehirn schaltet sich von einer zur anderen Sekunde ab, sodass der Schlafende meistens sofort in der Traum-Phase landet. In einigen Fällen kommt es auch zu Kataplexien – dabei handelt es sich um einen emotional ausgelösten, plötzlichen Tonusverlust, also ein Erschlaffen der Muskulatur oder einzelner Muskelgruppen. Gelegentlich versagt die gesamte Haltefunktion der Muskulatur und der Betroffene stürzt. Außenstehende halten diese Kataplexien häufig für einen Herzinfarkt oder Kreislaufkollaps.

Ursache für die Narkolepsie ist ein genetischer Defekt, der zu einem Mangel an den schlafregulierenden Neuropeptiden Hypocretin beziehungsweise Orexin führt. Die Narkolepsie ist relativ selten: Von 2.000 Menschen ist einer betroffen. Besteht bei Ihnen der Verdacht auf Narkolepsie, sollten Sie auf eine Überweisung ins Schlaflabor drängen.

Effektive Medikamente gegen Narkolepsie

Therapieren lässt sich die Narkolepsie mit dem Medikament Modafinil: Es wirkt stimulierend auf die Psyche, außerdem verstärkt es den Tiefschlaf und damit die erholsame Wirkung des Schlafs. Modafinil hat nur ein geringes Abhängigkeitspotenzial. Darüber hinaus bietet sich Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) an, die ebenfalls den Nachtschlaf verbessert sowie die Kataplexien am Tage mindert. GHB wirkt jedoch nur kurze Zeit und ist deshalb für die Dauertherapie nicht geeignet. Auch Hypnotika bieten sich in einigen Fällen an, bei Kataplexien außerdem trizyklische Antidepressiva, die die Traum-Phasen unterdrücken.

Nicht Auto fahren

Plötzliches Einschlafen ist sehr gefährlich, gerade am Steuer. Wer unter Narkolepsie leidet, darf nicht Auto fahren und keinen Beruf ausüben, der jede Minute volle Konzentration erfordert – zum Beispiel Schweißer, Chirurg oder Pilot.
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Schlafwandeln und Albtraum: Die unheimlichen Seiten des Schlafs

Manche Menschen schlafwandeln nachts, sprechen im Schlaf oder haben Traumschlaf-Verhaltensstörungen, bei denen der Schlafende seine aggressiven Träume auslebt und zum Beispiel um sich schlägt. Auch leiden manche unter Albträume oder der sogenannten Schlafparalyse, bei der der Betroffene schon oder gerade noch wach ist und sich als vollständig gelähmt empfindet. Alle diese Phänomene – Schlafmediziner bezeichnen sie als Parasomnien – hängen mit Störungen der Tiefschlaf-Phase oder der Traum-Phase (REM-Phase) zusammen und können hervorgerufen werden durch
  • Stress
  • Alkohol
  • Schlafdefizit
  • Infektionen
  • Medikamentenmissbrauch etwa von Benzodiazepinen
Zur Therapie der Parasomnien gehört, diese Risikofaktoren zu erkennen und sie dann zu reduzieren. Außerdem lassen sich Schlafwandeln, Albtraum, Traumschlaf-Verhaltensstörung, Schlafparalyse und Sprechen im Schlaf teilweise durch leichte Schlafmittel behandeln, die den Tief- und REM-Schlaf beeinflussen. Sie kommen jedoch nur selten zum Einsatz. „Aber mindestens genauso viel hilft es den Patienten, wenn sie sich bei einer Untersuchung im Schlaflabor das Erlebte von der Seele reden können und es sich dann aus der Sicht des Spezialisten beschreiben und erklären lassen“, so Dr. Ingo Fietze in seinem Buch.
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Begrüßung durch den Arzt
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Ein Arztbesuch ist dann ratsam, wenn die Schlaflosigkeit chronisch wird, das heißt mindestens dreimal in der Woche und länger als vier Wochen anhält. Denn ohne Behandlung wird sie nur selten von allein wieder verschwinden.
Grafik: Herz-Kreislauf-System
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Gefahr für Herz und Kreislauf durch nächtlichen Atemstillstand – bei einer Apnoe fällt die Atmung während des Schlafs immer wieder für kurze Zeit aus. Dabei sinken Puls und Blutdruck und steigen nach dem nächsten tiefen Durchatmen wieder abrupt an, wodurch das Herz stark belastet wird.
Sauerstoffmaske
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Eine Nasenmaske mit Überdruckbeatmung hilft gegen die nächtlichen Atemaussetzer. Durch kontinierlichen Druck hält sie die Atemwege frei.
Mann liegt im Bett
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Das Restless-Legs-Syndrom tritt bei etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung auf. Sie leiden unter Kribbeln, Ziehen oder sogar Schmerzen in den Beinen – vor allem vor dem Einschlafen, gegen Mitternacht und in den frühen Morgenstunden.